Blütentränen

Agnes

Es war Frühling.

Das Mädchen ging unter den blühenden Mandelbäumen hindurch.

Die schwere Schultasche auf Ihrem Rücken spürte sie nicht.

Unzählige rosa zarte Blütenblätter bedeckten die alten ausgetretenen Steinplatten des Weges, der um die Kirche führte.

Ein Blütenteppich, ein Blütenmeer.

Sie nahm es nicht wahr.

Der Frühlingswind wirbelte die Blütenblätter von den Bäumen.

Auf lichten Sonnenstrahlen tanzten sie schmetterlingsgleich durch die Luft.

Ein Totentanz – sterbend wie das Kind.

Leise legten sich Blütenblätter über die Seele des Mädchens wie abgebrochene Schmetterlingsflügel.

Eine kleine verkrampfte Kinderhand öffnete sich zögerlich und streckte sich scheu den fallenden Blüten entgegen.

Ein sachter Hauch von rosa auflebender Lebendigkeit legte sich behutsam in die kleine Kinderhand und erstarb darin.

Blütentränen.

Dann war es vorbei.

Eine dunkle Wolke legte sich vor die Sonne, die Welt wurde grau.

Dann ging das Mädchen dorthin, wo es wohnte.

-Agnes Wich